Nutzungskonzept zur Umnutzung für die
"Alte Post", Stadt Mücheln
Das denkmalgeschützte und grundlegend sanierte Gebäude der Alten Post, direkt am Marktplatz gelegen, befindet sich im Eigentum der Gemeinde Mücheln. Für die Alte Post wurde ein Nutzungskonzept mit folgender Zielsetzung entwickelt:
- Belebung und Stärkung des Tourismus-Standortes,
- Zusammenführung der verschiedenen Tourismus-Einrichtungen der Stadt (Bergbaukabinett, Tourismus-Information, Heimatmuseum),
- Einrichtung des geplanten Eingangstores zum Geopark Triasland mit Dauerausstellung,
- Präsentation und Darstellung der verschiedenartigen Ausstellungen unter zeitgemäßen didaktischen Gesichtspunkten,
- Lenkung von Besucherströmen zwischen Marina und Innenstadt.
Grundsätzlicher thematischer Ansatz des Nutzungskonzeptes ist es, zu zeigen, wie aus dem Vorhandensein natürlicher Ressourcen in der Region im Zusammenspiel mit menschlicher Tätigkeit ein einzigartiger Kulturraum entstanden ist.
Bestandsaufnahme und
Beschreibung des Standortes
Mücheln/Geiseltal, im Bundesland Sachsen-Anhalt gelegen, zählt ca. 9.350 Einwohner. Die in Mücheln entspringende Geisel, ein ca. 25 km langer Nebenfluss der Saale, gab dem Tal seinen Namen.
Mücheln – Die Stadt des Braunkohlebergbaus
Müchelns wechselvolle Geschichte wurde in der jüngeren Vergangenheit durch den Abbau der tertiären Braunkohlevorkommen des Geiseltals geprägt. Das Braunkohlerevier vor den Toren der Stadt war eines der größten und bedeutendsten in Mitteldeutschland und verfügte über ca. 1,5 Mrd t Kohle. Weltweite Bekanntheit erlangte das Geiseltal durch die zahlreichen, hochwertigen Fossilienfunde, u. a. das 1933 gefundene und vollständig erhaltene sog. Urpferd oder Geiseltalpferd von nur 60 cm Größe sowie Skelette des Europäischen Waldelefanten aus der Fundstätte Neumark-Nord.

Seit dem ersten Kohlefund 1698 und der Eröffnung der Tagebaugrube Zöbigker wurde Braunkohle in verschiedenen Revieren in immer größeren Mengen abgebaut, insgesamt ca. 1,4 Mrd. t Kohle. "Im Bereich der damit nahezu vollständig ausgekohlten Lagerstätte mussten 16 Ortschaften mit rund 12 500 Menschen dem Abbau weichen. Der Landschaftscharakter wurde durch die Aufschüttung von Abraumhalden und … abbaubedingte Eintiefungen komplett verändert." (Quelle: Straße der Braunkohle).

Mücheln – Die Stadt am Geiseltalsee
Nachdem der Tagebau zum 1. Juli 1993 geschlossen worden war, begannen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im 48 km2 großen Grubengelände des Geiseltals. Als Ergebnis dieses tiefgreifenden Umgestaltungsprozesses entstand ein Komplex von Tagebaurestseen (Geiseltalsee, Hasse-See, Runstedter See, Südfeldsee), die z. T. hervorragende touristische und wassertouristische Möglichkeiten bieten. Im Zentrum steht dabei der seit dem 30. Juni 2003 in Flutung befindliche Geiseltalsee, der 2010 seine Endwasserhöhe von 98 m NN erreichen wird. Mit einer Wasserfläche von ca. 19 km2 ist er der größte See in Sachsen-Anhalt und zugleich der größte künstlich angelegte See Deutschlands.

| Größte Breite | 3,5 km |
| Größte Länge | 7,3 km |
| Größte Tiefe | 78 m |
| Wasserinhalt | ca. 410 Mio. m3 |
| Wasserfläche | ca. 19 km2 |
| Künftiger Wasserspiegel | ca. +98 m NN |
| Wald- und Erholungsfläche | ca. 800 ha |
| Uferlänge bei +98 m NN | ca. 41 km |
| Flutung | ab 2002 bis ca. 2010 |
| Über eine 14 km lange Rohrleitung fließen aus der Saale insgesamt 500 Millionen Kubikmeter Wasser in den See |
(Quelle: Webseite Geiseltalsee)
Mücheln – Die Stadt mit Marina
In Mücheln befindet sich der erste Jachthafen des Geiseltalsees – die Marina Mücheln (Hafen Braunsbedra ist in Planung). Grundsteinlegung war am 27.02.2006, Eröffnung am 29.05.2008. Fertiggestellt sind bis jetzt "der Hafenturm mit Hafenkontor, die Touristeninformation, das Piergebäude und die Infrastruktur. In der Realisierung befinden sich die Ferien- und Bootshäuser, sowie die gewerblichen Ansiedlungen am Hafenplatz." (Quelle: Webseite Geiseltalsee)

Die Marina ist an einen ca. 30 km um den gesamten See führenden asphaltierten Wirtschaftsweg angebunden, der beste Bedingungen für sportliche Aktivitäten bietet. Gastronomische Einrichtungen sind vorhanden. Touristische Einrichtungen, wie Bade,- Surf,- und Kitestrand, Beachvolleyballplätze, Campingplatz, Slip- und Krananlage, externe Schiffsanleger sind an ausgewählten Stellen vorhanden bzw. in Planung.
Die Marina ist von der Stadt aus über einen ca. 400 m langen, gut ausgebauten und behindertengerecht gestalteten Fußweg zu erreichen.
Tor zum Geopark Trias-Land
Mücheln liegt an exponierter Stelle sowohl in kulturhistorischer Hinsicht als auch in Bezug auf seine natürlichen Gegebenheiten. Die Straße der Romanik sowie die touristische Erlebnisroute "Himmelswege" berühren Mücheln, die Weinregion um Freyburg sowie der Naturpark Saale-Unstrut und der Geopark Triasland befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Aufgrund dieser räumlichen Nähe ist geplant, in Mücheln ein sog. Eingangstor zum Geopark Triasland zu errichten. Weitere "Tore zum Geopark" existieren bereits in Nebra oder sind geplant.

Die Trias (lat. die Dreiheit) ist eine erdgeschichtliche Epoche vor ca. 250 Millionen Jahren. In dieser Epoche entstanden u. a. Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, drei Gesteine mit unterschiedlicher Farbigkeit und unterschiedlichen Eigenschaften. Die Trias hat das Gebiet des GeoParks nachhaltig geprägt und ihm sein heutiges Erscheinungsbild gegeben. Gleichzeitig liegen in dieser erdgeschichtlichen Epoche die Voraussetzungen für den Weinbau in dieser Region begründet.
Verkehrsanbindung
Aufgrund der günstigen geografischen Lage in Mitteldeutschland und der guten verkehrlichen Anbindung ist Mücheln selbst von Großstädten wie Berlin oder Hannover aus in weniger als drei Stunden zu erreichen. Vom Ballungsraum Halle-Leipzig aus ist Mücheln in ca. einer Stunde zu erreichen. Gleiches gilt für viele größere mitteldeutsche Städte wie Dessau (Sachsen-Anhalt), Erfurt, Gera und Jena (Thüringen). Von den sächsischen Ballungsgebieten Chemnitz und Dresden erreicht man Mücheln in weniger als zwei Stunden.

Kultur
Im südlichen Sachsen-Anhalt gibt es eine große Zahl kulturhistorischer Städte und Anlagen, die einen Besuch lohnen: Naumburg mit Dom St. Peter und Paul, Weißenfels mit dem Barockschloss Neu-Augustusburg, Freyburg mit der Neuenburg, Merseburg mit Dom St. Johannes und Laurentius oder Querfurt mit einer der ältesten und größten Burganlagen Deutschlands. Weiterhin Halle mit Händelhaus und Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte (Himmelsscheibe von Nebra), die Dolmengöttin von Langeneichstädt, das Informations- und Erlebniszentrum Arche Nebra und die malerischen Täler von Saale und Unstrut mit ihren Burganlagen.

Nur wenige Kilometer von Mücheln entfernt verlaufen die Straße der Romanik (Südroute), die Weinstraße und die Straße der Braunkohle. Der Pilgerweg Jakobsweg (Jakobusweg) führt durch Mücheln, der 22. (und letzten) Station in Sachsen-Anhalt, bevor der Weg nach Thüringen führt. Mücheln führt seit 1463 Jakobus mit einer Muschel in der linken und einem Stab in der rechten Hand im Stadtwappen.
Das Nutzungskonzept: Beispiel einer veränderten Nutzungsart
Günstige naturräumliche Gegebenheiten, menschliche Schaffenskraft, eine gute Verkehrsanbindung, kulturelle Highlights sowie touristische Attraktivität sind wichtige Alleinstellungsmerkmale Müchelns, die der Stadt völlig neue Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten: Ab 2010 wird Mücheln zum Beispiel "Küstenstadt" sein – gelegen am Ufer des größten künstlichen Sees in Europa, dem Geiseltalsee. Diese Faktoren werden werden den schwierigen, aber Erfolg versprechenden Transformationsprozess Müchelns zum Tourismus-Standort unterstützen. Hier vollzieht sich nicht nur ein Image-, sondern ein umfassender regionaler Strukturwandel, von dem Mücheln profitieren wird.

Die alte junge Post
Die Umnutzung des Postgebäudes stellt für Mücheln ein große Herausforderung dar. Unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen besteht der konzeptionelle Ansatz des Nutzungskonzeptes darin, den künftigen Nutzern eine offene und betriebsfähige Plattform anzubieten, welche sich abhängig von dem Engagement der Bürger Müchelns und den beteiligten Vereinen, Verbänden und anderen Nutzern weiter entwickeln kann. Die Attraktivität des Gebäudes und seiner Angebote für Touristen und auswärtige Besucher kann nur entstehen, wenn die Müchelner Bürger selbst das alte Postamt annehmen, in Besitz nehmen und mit jungem Leben füllen.
Mit der Sanierung des ehemaligen Postamts der Stadt Mücheln werden langfristige strategische Ziele verfolgt:
- Bündelung aller öffentlichen touristisch bedeutsamen Einrichtungen der Stadt unter einem Dach.
- Schaffung eines touristisch attraktiven Standortes in der Stadt, um auf der Wegeachse zwischen der Marina am Geiseltalsee und dem Marktplatz Touristen in die Stadt zu lenken.
- Langfristige Entwicklung eines Ausflugs- und Erlebniszentrums für Schülerarbeit. Angebot an Schulen in Mitteldeutschland als attraktives Ziel für Wandertage und Projektausflüge.
- Entwicklung Müchelns als ein Eingangstor für den Geopark Triasland.

In Zusammenarbeit mit Studierenden der Merkur-Akademie International Halle entstanden verschiedene Nutzungsstudien als Ergänzung des Nutzungskonzeptes. Im Fach Projektmanagement praktizierten 9 Studentinnen und Studenten der Studiengänge Internationales Marketing und Internationaler Tourismus das Bearbeiten eines konkreten Projektes.
Das Treppenhaus als Stiege durch die Zeit
Die geologische Zeitsäule
Das Treppenhaus des Postamts soll den Rahmen für eine einzigartige Installation bieten. Über alle Etagen ragt im Innenbereich eine filigrane Konstruktion aus bedrucktem Stoff, der auf ein Metallgestell gespannt ist und von innen beleuchtet wird. Der Besucher kann aufsteigend die verschiedenen geologischen Zeitalter ablesen. Die Zeitabschnitte sind proportional zu ihrer Dauer eingeteilt. An den Wänden begleitet die Gäste beim Aufstieg eine erläuternde Grafikleiste. Der untere Bereich dieses Frieses vermittelt die Entwicklung auf kindgerechte Art in Augenhöhe der jüngeren Besucher. Im Dachgeschoß angekommen sehen die Besucher auf der geologischen Zeitsäule, wie kurz der Zeitraum menschlicher Besiedlung im Vergleich zum Gesamtalter der Erde ist.
Erdgeschoss
Stadtinformation
Im Erdgeschoss der Alten Post wird die Stadtinformation Mücheln untergebracht, die über die Eingangstür vom Marktplatz aus zu erreichen ist. Die Stadtinformation ist der erste Anlaufpunkt für Besucher. Sie bietet dem Mitarbeiter vom Tresen aus einen optimalen Überblick über den gesamten Eingangsbereich.
Die Möblierung mit Tresen, Computerarbeitsplatz, Vitrinen, Sideboards etc. ist funktionsgerecht und dient der Aufbewahrung und Präsentation von Souvenirs, sowie von Informations- und Werbematerial.
Zusätzliche Angebote und Funktionen im EG:
- Fotowand für Erinnerungsfotos
- Getränke- und Snackautomaten
- Stehtische für den Schnellverzehr
- Garderobe und Schirmständer
- Flyerregal
- Fahrradverleih
- WC
Eingangstor zu Geopark Triasland
Einen großen Bereich des Erdgeschosses wird die Dauerausstellung zum Triasland einnehmen. An den Wänden, in Vitrinen und an verschiebbaren Trennwänden (Paravents) werden zahlreiche Informationen über den Geopark sowie zur erdgeschichtlichen Epoche der Trias angeboten. Highlight der Ausstellung ist eine in Originalgröße nachgebildete Tierplastik, die durch ihre robuste Beschaffenheit und die interessante Umgebungsgestaltung zum Entdecken einlädt.
Als weiterer Bestandteil der Ausstellung lädt ein Trias-Puzzle zur Interaktion ein. Inhalte der Ausstellung können so gemeinschaftlich im Spiel umgesetzt werden.

Obergeschoss
Im Obergeschoss befinden sich ein kleiner Besprechungs- oder Arbeitsraum, ein Infokino, ein flexibel zu bestuhlender Vortragsbereich sowie jährlich mehrmals wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themenkreisen. Die Ausstellungen sollten sich mit Themen befassen, die zeigen, wie die natürlichen Ressourcen durch Menschen genutzt und dadurch gestaltend in den Naturraum eingegriffen worden ist. Themen könnten zum Beispiel lauten:
Glück auf: Mücheln legt ´ne Kohle nach
- Bergbautradition
- Die Kohle – Müchelns schwarzes Gold
- Der Bergmann – Ein ganz besonderer Beruf
- Bergmannsfrauen und die Familie
- Die Kinder der Bergleute
Der Geiseltalsee – Eine Beispiellandschaft der Renaturierung
- Ein See entsteht – Die Etappen der Flutung
- Ein See in Bewegung – Die jährliche Zirkulation des Wassers im Geiseltalsee
- Hier wimmelts: Flora und Fauna unter Wasser
- Der Geiseltalsee – Der Mensch verhilft einem See zum Leben
- Klimawandel – global und regional
- Entwicklung des Biotops Geiseltalsee
Neben den zwei Hauptausstellungen "Geiseltalsee" und "Glück auf" soll Platz bleiben für Themen, welche die Stadt Mücheln und ihre Umgebung bewegen. Ob Ausstellungen, Jubiläumsfeiern oder Vorträge: Die flexiblen Ausstellungsmöbel machen einen schnellen und unproblematischen Umbau für eine neue Ausstellung oder Veranstaltung möglich. Die Exponate und Grafiken werden ausgetauscht, die Möbel bleiben.

Dachgeschoss
Im Dachgeschoss wird ein Bastel- und Erlebnisraum für Kinder eingerichtet. Hier werden verschiedene Programme, die um die Themen Ausgrabungen - Braunkohle - Klimawandel kreisen, für Kinder angeboten. Die Programme können sowohl aus Indooraktivitäten im Haus, Outdooraktivitäten in Mücheln und am Geiseltalsee, sowie deren Kombination bestehen. Immer endet der Tag für die Kinder und Schüler am Postamt in Mücheln.
Die Erlebnisräume sollen von den Kindern individuell mit den Ergebnissen des Tages gestaltet werden, indem sie Klassenfotos von sich aufhängen oder ihre "Entdeckerspuren" hinterlassen. Die Werke der Kinder und z. B. auch ihre Ausgrabungstrophäen motivieren die nachkommenden Gruppen und Schulklassen für den eigenen Erlebnistag in Mücheln und am Geiseltalsee.

Die Erlebnistage für die Klassen 4 bis 7 können ein Highlight im Ablauf des Schuljahres von Schülern und Lehrern bilden. Öffentliche Verkehrsmittel bzw. Busreiseanbieter bringen die Klassen zum Postamt in Mücheln um dort einen interessanten und lehrreichen Tag zu verbringen.
Durch die Kombination von In- und Outdooraktivitäten wird die Alte Post über die Wegeachse Marktplatz – Marina enger an die bereits funktionierenden Strukturen am See angebunden. Wenn es gelingt, die Wegeachse Schritt für Schritt zu einem Erlebnispfad umzugestalten, ist zu erwarten, dass Besucher der Marina bei der Erkundung des Weges bis zum Marktplatz in Mücheln geleitet werden und somit zu einer Belebung auch der Innenstadt beitragen.
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